Wir haben mal wieder unseren Namen für einen Aufruf hergegeben und rufen alle Yuppies und Sankt Pauli-Fans dazu auf, am 28. Januar mit uns auf die Straße zu gehen. Denn was sich in Deutschland abspielt, ist uns unerträglich. Dreizehn Jahre lang konnten drei Thüringer Nazis ungestört durch die Republik reisen, Banken überfallen, Sprengstoff-Attentate verüben und Menschen ermorden. Bisher zählen Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter als Opfer der Gruppe. Da nur ein Zufallsfund die Morde der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) aufdeckte, erfahren wir aktuell fast täglich neue schreckliche Details über die gezielte Hinrichtung von Migranten in ihren Geschäften, eine Nagelbombe in Köln-Mülheim und andere Anschläge eines Netzwerkes, von dem bisher nicht einmal abzusehen ist, wer ihm außer Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch angehört.
Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und völkischer Nationalismus sind Alltag in Deutschland. In dem Land, das nach Auschwitz schlichtweg hätte aufgelöst werden müssen, wird bis heute über die Täter_innen von gestern und die Täter_innen von heute geschwiegen. Und jede_r Nazi kann in dem Bewusstsein handeln: Wir schreien das raus, was andere denken. So erklärt sich auch, dass es trotz der schrecklichen Taten des NSU bisher kaum langanhaltende und ernsthafte öffentliche Empörung über die rassistischen Morde und die Verstrickung der Behörden gibt. Ebenso wenig gibt es den politischen Druck, alle Vorgänge lückenlos aufzuklären. Wir befürchten daher, dass die nun herrschende, unerträgliche Ruhe es den deutschen Behörden ermöglichen wird, die eigene Verstrickung in den Naziterror zu vertuschen.
Verbreitet und unterstützt den Aufruf mit euren Fanclubs und wir sehen uns auf der Straße!
28. Januar * 13 Uhr * Hamburg Hauptbahnhof
Der Tod ist ein Meister aus Deutschland
Zeitleiste NSU http://www.blog.schattenbericht.de/nsu/
Ha, wenn die halb so sein sollten wie ihre Außendarstellung, müssen wir uns die mal für ein Hipster-Netzwerk oder so anlachen. Nur über Musikgeschmack muss definitiv noch geredet werden.
Anyways, lohnt sich reinzuschauen:
http://ultratriangles.tumblr.com/

Die von der deutschen Ideologie formulierten und ausgeführten Ausschlüsse gehen weit über die hinaus, die für die kapitalistische Produktionsweise notwendig sind. Nicht nur der über den Sieg an der Ostfront gestellte Betrieb der Vernichtungslager bleibt unerklärlich, wenn man sie nicht mitdenkt, sondern auch der deutsche Alltag. Immer noch wird diese Ideologie jeden Tag reproduziert und in der Praxis vollzogen: von den Vertriebenenverbänden, die keinen Frieden mit Polen und Tschechien schließen wollen, von den Antiziganist_innen, die im Juli 2011 in Leverkusen ein von Roma bewohntes Haus anzündeten, von Sachbearbeiter_innen im Jobcenter, von Fußballkommentator_innen, die von „deutschen Tugenden“ im Sport faseln, von Nazischläger_innen auf der Straße – und von linken Antisemit_innen, die dasselbe hassen wie ihre Nazigroßeltern: die USA und Israel.
Gegen sie alle gilt es, weiterhin die Kritik an den deutschen Verhältnissen zu schärfen und dabei auch jene einzubeziehen, die über eine verflachte Analyse der Verhältnisse und der Nation im Speziellen sowie den Aufruf zur Praxis versuchen, die „linke Masse“ zu mobilisieren. Solange die Mehrheit der Bevölkerung bis hinein in die radikale Linke weiterhin der deutschen Ideologie anhängt, wird sich eine radikale Kritik notwendig gegen diese richten müssen.
Finden wir. Und zwar volle Kante. Also haben wir uns aus dem braunweißen Mikrokosmos gewagt und den Aufruf des „Imagine there’s no Deutschland“-Bündnisses unterschrieben. Der lässt sich komplett HIER finden und ist durchaus lesenswert. Dazu findet er hoffentlich auch den Weg in Fanladen, Stadion und Lieblingskaffees.
Wer sich vom Text nicht abschrecken lässt, sollte übrigends am Montag den 19.9 in die Hafenvokü wanken, dort soll der Aufruf kritisch diskutiert werden. Und, nun ja, wer eh ständig wegen dem Fussballverein durchs Land tingelt, kann am 3.10 dann gleich mal Bonn als Stop einplanen. Tun wir zumindest.
So empfinden viele Fans den Umgang des Vereins mit den gemeinsam aufgestellten Statuten. Neben dem bereits von uns verlinkten Post, seien unseren Leser_innen die folgenden Berichte aus dem Stadion ans Herz gelegt und schliesslich eine Unterschrift unter dem neuesten (noch nicht ganz fertig formulierten?) Angriff der Sozialromantiker. Wir haben dann auch schonmal unterschrieben, denn jede_r echte Boheme sollte sich tunlichst öfter mal den Mantel des Proletariats überziehen.
Auf ein Wort Herr Schulte
Das ist nicht mehr mein Pauli
http://www.sozialromantiker-stpauli.de/wordpress/?p=12
Schöne Links zum Wochenendausklang:
Hier kotzt mensch sich von Fetisch über Adorno zur Niederlage des FCSP. Sehr lesenswert, auch wenn das mehrfach erwähnte O-Feuer nun wirklich nicht mehr angesagt ist auf der Schanze. Vielleicht nehmen wir dich ja mal in die netteren Gegenden mit – da quatscht dann auch keine_r mehr (Mist) über das Spiel und wir haben Zeit, „das mit dem Fetisch“ mal zu erklären und einzuordnen.
Und zweitens: Das SLI-Institut verwurstet revolutionär/kommunikationsguerillianisch die sorgsam aufgebaute Yuppie-Identität gegen Gentrifizierung. Machen sonst auch nur Trottel, die ebenfalls bei „Anderen“ landen, die dafür aufs Maul kriegen müssen, weil alles so gemein ist (Erklärung und Lektüretipp). Nunja, die bösen Feind_innen sollen gegen die von ihnen angestoßene Aufwertung des Schanzenviertels (oder generell: gegen Aufwertung?) auflaufen. Wir freuen uns über lustige Fotos und erklären direkt, dass wir da nicht mitmachen. Aufwertung finden wir toll, möge noch so einiges bis zur Revolution gentrifiziert werden. http://www.yuppiesgegengentrification.de